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Prüfen statt glauben · Nº 002 · versendet am 16. August 2026

„Nimm halt Presidio" — nachgemessen

Die Behauptung

„PII-Erkennung ist doch gelöst — Microsoft Presidio ist Open Source, das nehmen alle. Einmal aufsetzen, fertig."

Der Satz fällt in fast jedem Gespräch über KI und personenbezogene Daten, meist von Leuten, die es ernst meinen: Bevor Kundendaten im Prompt landen, soll eine Erkennungsschicht sie herausfiltern. Die Werkzeuge dafür gibt es gratis. Die Frage ist nur: Wie viel finden sie wirklich — auf deutschen Dokumenten?

Die Prüfung

Angekündigt hatte ich vier Engines, geworden sind es fünf. Der Aufbau: ein Testkorpus aus 48 synthetischen deutschen Geschäftsdokumenten — Mandantenschreiben, Bewerbungen, Arztbriefe, Verträge — mit 489 von Hand markierten Gold-Werten: Namen, IBANs, Steuer-IDs, Aktenzeichen, Versichertennummern. Jede Engine bekommt dieselben Dokumente; gezählt wird hart: Ein Wert gilt nur dann als geschützt, wenn er im Ausgabetext nicht mehr auftaucht. Teilweise maskiert = durchgefallen.

Die Kandidaten: Microsoft Presidio mit dem großen deutschen spaCy-Modell (der DIY-Standard aus der Behauptung), GLiNER2 (ein auf PII trainiertes NER-Modell), der offene Privacy-Filter von OpenAI, Kiji (Dataiku) — und unser eigenes Werkzeug, dazu unten mehr.

Das Ergebnis:

Interessanter als die Gesamtzahlen ist, was durchrutscht — denn alle vier scheitern an derselben Stelle: der deutschen Struktur-Realität. Presidio in der Standardkonfiguration erkennt deutsche Steuer-IDs in 20 % der Fälle, Versichertennummern, Mandanten- und Kundennummern gar nicht. GLiNER2 hat trotz passendem Label alle 17 IBANs im Korpus durchgelassen, erkennt dafür Adressen am besten von allen (98 %). Aktenzeichen, Gerichtsbezeichnungen, Grundbuchdaten: bei allen Engines Lücken. Namen und E-Mail-Adressen dagegen können alle ordentlich — nur besteht ein deutscher Geschäftsbrief eben nicht nur aus Namen und E-Mail-Adressen.

Der Befund

„Nimm halt Presidio" heißt auf deutschen Dokumenten: Rund drei von zehn schützenswerten Werten bleiben stehen — und zwar bevorzugt die spezifisch deutschen. Wer das schließen will, schreibt eigene Erkenner für Steuer-ID, Aktenzeichen, Versichertennummer und pflegt sie dauerhaft. Das ist kein Aufsetzen, das ist ein Projekt. Genau die Arbeit, die man sich mit dem Gratis-Werkzeug sparen wollte.

Dabei ist keins der Werkzeuge Schrott, und keins ist fertig — sie sind stark bei Verschiedenem und gemeinsam blind für deutsche Strukturen. Wer eins davon einsetzt, sollte es vorher an den eigenen Dokumenten messen. Nicht glauben. Prüfen.

Selbst nachprüfen

In eigener Sache

Zur Transparenz, die Sie von diesem Newsletter erwarten dürfen: Der Benchmark stammt von uns, und unser eigenes Werkzeug (Saklam Bridge) lief mit — 467 von 489, 95,5 %. Wir verdienen Geld damit, der Vergleich ist also nicht neutral. Deshalb steht oben die Methode offen, und deshalb gehört auch das hierher: Im ersten Messlauf schlug der OpenAI-Filter uns bei Personennamen, GLiNER2 gewinnt bei Adressen bis heute, und 22 Werte lässt auch unsere Engine durch. Der Abstand bei den Gesamtzahlen hat einen unspektakulären Grund: Wir haben die Erkenner für deutsche Strukturen geschrieben und pflegen sie — das „Projekt" aus dem Befund, nur eben als Produkt. Alle Messläufe mit Datum, Methodik und dem, was die anderen besser können: saklam.com/benchmarks.

Stefan

Die nächste Prüfung frei Haus

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